Die erste Eröffnungswoche der Karateschule Lahde
Dieses Interview zur Eröffnungswoche der Karateschule Lahde gibt einen persönlichen Einblick in die Idee, die Vorbereitung und den Start des Trainingsbetriebs.
Die erste Woche einer neuen Karateschule ist immer etwas Besonderes. Sie zeigt nicht nur, ob ein Angebot angenommen wird, sondern auch, ob eine Idee auf Menschen trifft, die sich darin wiederfinden. Für die Karateschule Lahde war dieser Start vor allem eines: intensiv, schweißtreibend und überraschend herzlich.
Trotz sommerlicher Temperaturen von teilweise rund 30 Grad fanden Kinder, Jugendliche und Erwachsene den Weg ins Training. Besonders erfreulich war dabei nicht nur die Zahl der Interessierten, sondern vor allem die Tatsache, dass viele Teilnehmer nach ihrem ersten Training wiederkamen.
„Es war wirklich schön, weil mein Angebot von vielen Menschen wahrgenommen wurde und das Feedback nach den einzelnen Stunden durchweg positiv war. Die Teilnehmer fühlten sich wohl. Wir haben zusammen geschwitzt und sehr viel gelacht.“
Rene Tegeler
Gerade dieses Wiederkommen ist für Rene Tegeler, Inhaber und Trainer der Karateschule Lahde, ein wichtiges Signal. Viele Teilnehmer, die bereits am ersten Trainingstag dabei waren, standen auch am Ende der Woche wieder auf der Trainingsfläche. Gleichzeitig kamen neue Interessierte hinzu.
Ein Training für alle Altersgruppen
Ein auffälliges Merkmal der Karateschule Lahde ist der Umgang mit den unterschiedlichen Altersgruppen. Kinder, Jugendliche und Erwachsene lernen grundsätzlich nach demselben Trainingskonzept. Ein typisches Training beginnt mit einer Meditation. Danach folgt ein traditionelles Aufwärmen, bevor die Schüler gemeinsam in die Partnerarbeit einsteigen.
Anschließend wird die Verbindung zur Kata hergestellt. Techniken, die zuvor mit einem Partner geübt wurden, tauchen in der Kata wieder auf und werden im Bunkai konkret angewendet.
Ein eigenes, inhaltlich reduziertes „Kinderkarate“ gibt es nicht. Kinder sollen Karate nicht als vereinfachte Variante kennenlernen, sondern sich mit denselben grundlegenden Inhalten beschäftigen wie Erwachsene. Unterschiede entstehen dort, wo Alter und körperliche Entwicklung berücksichtigt werden müssen.
So wird beispielsweise beim ergänzenden Krafttraining differenziert. Kinder arbeiten ausschließlich mit dem eigenen Körpergewicht, während Jugendliche und Erwachsene auch zusätzliche Gewichte einsetzen dürfen.
Das Dojo als Labor
Auch Hebel, Befreiungen und unangenehme Selbstverteidigungssituationen werden nicht grundsätzlich aus dem Kindertraining herausgehalten. Wird beispielsweise eine Befreiung aus einem Würgeansatz anhand einer Bewegung aus einer Kata erklärt, lernen auch Kinder das Prinzip in einem altersgerechten, besonders vorsichtigen und kontrollierten Rahmen kennen.
Der entscheidende Punkt ist dabei nicht Härte, sondern kontrollierte Erfahrung.
„Die Kinder werden vorsichtig in die Situation eingeführt. Sie sollen verstehen, dass es unangenehme Situationen gibt, aus denen sie trotzdem herauskommen können.“
Rene Tegeler
Dabei benutzt er im Unterricht ein Bild, das insbesondere für Kinder leicht verständlich ist: das Dojo als eine Art Labor. Hier darf ausprobiert werden. Techniken dürfen erforscht und Wirkungsweisen erfahren werden. Gleichzeitig gilt immer eine klare Regel: Der Trainingspartner wird respektiert und geschützt.
Gerade bei Hebeln, Griffen und anderen Partnerübungen muss deshalb jederzeit Rücksicht genommen werden. Klare Abbruchsignale und eine kontrollierte Intensität gehören fest zum Training.
„Oh nein – aber ich kann etwas tun“
Interessant ist vor allem die Reaktion der Eltern. Statt die realitätsnäheren Übungsformen als problematisch wahrzunehmen, kommt gerade der Gedanke dahinter gut an. Kinder erleben eine unangenehme Situation und lernen gleichzeitig:
Ich möchte das nicht. Aber ich bin nicht hilflos.
Diese Verbindung hält Rene Tegeler für besonders wichtig: „Es gibt unangenehme Situationen, aber es gibt noch Hoffnung. Es ist nie zu spät.“ Damit geht das Training über reine Technikvermittlung hinaus. Ziel ist es nicht nur, Bewegungen zu lernen, sondern Handlungsmöglichkeiten zu erfahren.
Ernsthaft trainieren und trotzdem lachen
Realitätsnähe bedeutet in Lahde keineswegs, dass das Training permanent ernst oder angespannt sein muss. Gerade bei Kindern nimmt der spielerische Anteil einen festen Platz ein. Zu Beginn und zum Ende einer Einheit werden unterschiedliche Spiele eingebaut.
Bei Jugendlichen und Erwachsenen bleibt der Humor ebenfalls Bestandteil des Unterrichts, nur in anderer Form. Ein spontaner Spruch, eine lustige Situation oder gemeinsames Lachen lockern das Training auf. Diese Mischung gehört bewusst zum Konzept: Karate soll fordern. Es darf anstrengend sein. Es soll aber gleichzeitig einen Ort schaffen, an dem Menschen gern trainieren.
Kihon, Kata und Bunkai neu verbunden
Gerade hier unterscheidet sich der Trainingsansatz in Lahde deutlich von vielen klassischen Unterrichtsformen. In vielen Vereinen folgt das Training häufig einer bekannten Struktur: Kihon, Kata und anschließend vielleicht eine Partnerübung. Bunkai wird teilweise nur anhand einzelner kurzer Kombinationen erklärt.
In Lahde sollen diese Bereiche dagegen nicht voneinander getrennt existieren. Die Grundtechnik wird direkt mit dem Partner erarbeitet. Aus dieser Partnerübung führt der Weg zur Kata. Anschließend erklärt das Bunkai, wie die einzelnen Bewegungen angewendet werden können.
Der Trainingspartner wird dadurch zu einem zentralen Bestandteil des Lernprozesses. Der Schüler soll nicht nur Bewegungen allein in den Raum setzen oder gegen einen imaginären Gegner arbeiten. Er soll fühlen, welche Distanz notwendig ist, wie sich Widerstand anfühlt und warum eine bestimmte Bewegung überhaupt existiert.
Kata als gespeicherte Partnerarbeit
Daraus ergibt sich auch ein ungewöhnlich praxisnahes Verständnis von Kata. Für Rene Tegeler ist sie eine Möglichkeit, Partnerarbeit zu speichern und auch ohne Partner weiterzuüben.
Die Bewegungsfolge ist vorgegeben. Ihre konkrete Bedeutung muss es jedoch nicht sein. Eine Bewegung kann beispielsweise auf einen Schlag, einen Griff oder einen Würgeansatz reagieren. Welche Situation der Übende mit einer Kombination verbindet, kann variieren. Entscheidend ist, dass die Struktur der Kata erhalten bleibt.
So wird Kata nicht nur als festgelegte Form verstanden, sondern als eine Art Erinnerungssystem für Bewegungen und Anwendungen: Der Körper läuft eine bekannte Sequenz. Der Kopf füllt diese Sequenz mit Bedeutung.
Was bedeutet überhaupt Tradition?
Auch beim Begriff Tradition vertritt die Karateschule Lahde einen offenen Ansatz. Was heute als „traditionelles Karate“ bezeichnet wird, ist nicht immer eindeutig. Karate hat sich über lange Zeiträume entwickelt, und die Lebensbedingungen der Menschen, die es praktizierten, unterschieden sich stark von unserem heutigen Alltag.
Tradition muss deshalb nicht zwangsläufig bedeuten, jede Trainingsmethode unverändert zu übernehmen. Für den Trainer kann Tradition bereits darin liegen, sich bewusst Zeit für Ruhe, körperliche Arbeit und die Auseinandersetzung mit sich selbst zu nehmen.
Meditation, Grundtechniken, Kata und intensive körperliche Arbeit bleiben deshalb wichtige Elemente. Gleichzeitig darf sich Karate weiterentwickeln.
„Karate ist nicht tot, sondern lebt in jedem praktizierenden Menschen weiter.“
Rene Tegeler
Vorhandene Techniken mit Erkenntnissen oder Trainingsformen aus modernen Kampfsportarten zu verbinden, sieht er deshalb nicht als Widerspruch zur Tradition. Vielmehr verhindert genau diese Weiterentwicklung, dass Karate zu etwas rein Historischem wird.
Fortschritt ist mehr als die nächste Prüfung
Auch die Entwicklung eines Schülers soll sich nicht ausschließlich an Gürtelprüfungen oder einzelnen Techniken messen lassen. Wer ein Jahr regelmäßig trainiert, sollte idealerweise Veränderungen in mehreren Bereichen zeigen.
Techniken werden sauberer und verständlicher. Gleichzeitig verändern sich Körpergefühl, Haltung und Fitness. Doch auch die geistige Haltung gehört dazu. Das Ziel ist ein Gesamtbild aus technischem Verständnis, körperlicher Entwicklung und persönlicher Veränderung.
Mehr als nur eine Trainingshalle
Langfristig soll die Karateschule Lahde deshalb mehr werden als ein Ort, an dem mehrmals pro Woche Techniken geübt werden. Sie soll Menschen zusammenführen: Menschen, die bereit sind, etwas für sich selbst zu tun, ihren Körper und ihren Kopf zu erhalten und weiterzuentwickeln und für einige Stunden bewusst aus dem Alltag herauszutreten.
Der Blick richtet sich dabei nicht nur zurück auf das, was man bereits gelernt oder erreicht hat. Er richtet sich vor allem nach vorne.
„Karate ist anstrengend und herausfordernd, aber es macht unfassbar viel Spaß und befreit.“
Rene Tegeler
„Auf den eigenen Weg zurückzublicken ist interessant. Spannender ist aber der Blick nach vorne. Egal ob mit körperlichen oder mentalen Einschränkungen – jeder Mensch hat die Möglichkeit, sich zu verändern und weiterzuentwickeln.“
Rene Tegeler
Die erste Woche war damit vor allem eines: ein Anfang.
Mehr über die Inhalte erfährst du auf der Seite Training. Wenn du Karate selbst kennenlernen möchtest, kannst du unverbindlich ein Probetraining anfragen.
Die Eröffnungswoche der Karateschule Lahde im Rückblick
Die Eröffnungswoche der Karateschule Lahde hat gezeigt, dass Menschen mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen gemeinsam trainieren können. Entscheidend sind keine perfekten Bewegungen am ersten Tag, sondern Aufmerksamkeit, gegenseitiger Respekt und die Bereitschaft, sich auf neue Erfahrungen einzulassen.
Die Gespräche nach dem Training waren ebenso wertvoll wie die Übungen auf der Fläche. Fragen zu Alter, Fitness, Schmerzen, Vorerfahrung und Trainingszielen konnten offen beantwortet werden. Genau daraus entsteht ein Dojo, in dem Karate nicht nur gezeigt, sondern gemeinsam verstanden und weiterentwickelt wird.

